Der Heillge Benedikt Benediktinerkongregation von Subiaco
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Abteilung 2

Das erste Generalkapitel (1880)

Leider hörten die Zwistigkeiten mit der Approbierung nicht auf. Die Kongregation zeigte sich in einem prekären Zustand und ihre Zukunft war durchaus unsicher. Pius IX.. der ihr Wachsen von Anfang an verfolgt und gefördert hatte, machte eine äußerste Anstrengung, sie zu retten. Er setzte eine besondere Kardinalskommission „zur Überarbeitung der neuen Konstitutionen“ und zur Überwindung der Krise ein.

Es ist hervorzuheben, dass von allen Klöstern der Kongregation lediglich drei unmittelbar aus der „Reform“ Casarettos entstanden sind: die beiden Klöster von Subiaco (Sa. Scholastica und Sacro Speco) und Ramsgate. Die anderen brachten ihre eigenen Traditionen mit oder waren Teil anderer Klosterverbünde gewesen. So kam Montserrat aus der Kongregation von Valladolid. La Pierre-qi-Vire hatte seinen Ursprung in der Gedankenwelt von P. Muard und deren Herbheit. Montevergine war Zentrum der gleichnamigen Kongregation gewesen und Affligem war durch eine recht offene Lebensform mit pastoraler Tätigkeit geprägt. Kurz, von Anfang an zeigte sich die Kongregation in unterschiedlichen Facetten und in einer Pluralität, in der jede Kommunität ihre eigenen Traditionen hatte, in denen sich die Mönche aufgrund langer Erfahrung zu Hause fühlten.

Casaretto starb am 1 Juli 1878.

Die Arbeit der erwähnten Kardinalskommission führte zur Einberufung des außerordentlichen Generalkapitels von 1880. Es sollte die Intentionen des Gründers „kippen“ und sich klar von der spezifisch italienischen und cassinesischen Tradition wegbewegen. Ein Corpus von Deklarationen, die die Vorschriften der Regel der modernen Zeit anpassten, gab den Constitutionen neue Grundlagen. Unter anderen wurde die Abtswahl auf Lebenszeit wieder eingeführt. Das Gelübde der Stabilitas wurde auf das Einzelkloster abgelegt. Einige Bußübungen wie der absolute Verzicht auf Fleisch und die Feier der Matutin um 02:00 Uhr in der Nacht wurden beibehalten. Damit hoffte man, der Kongregation ein bleibendes Gesicht zu geben.

Die Zeiten waren schwierig,  besonders für die italienische Provinz. Viele Klöster waren durch die Regierung aufgelöst worden. Vielerorts - auch jenseits der Alpen - setzten ihre Kräfte und Zeit in der Pastoral ein, zumal in der Leitung der den Klöstern angegliederten Pfarreien und in der Verkündigung. Das wird zu einer Gewohnheit werden, die später offiziell anerkannt wird. Abt Serafini wird einmal schreiben: „Wir sehen das monastische Leben für alle vor. Über das kleine oder große Maß der Seelsorge, das man leisten kann, muss der Abt entscheiden: ob überhaupt, … von wem, … und in welchem Ausmaß.“

Zeit der Anpassung (1880-1896)

Das Generalkapitel von 1880 wählte P. Nicolas Canevello zum Generalabt. Er ist bekannt für seine Nostalgie zur „Casaretto-Schule“. Zum Procurator wurde Abt Romarico Flugi d’Aspermont gewählt, einer der schärfsten Gegner Casarettos. Es war jedoch eine gute Wahl. Abt Canevello hatte einen güütigen und ausgewogenen Charakter. Er hatte mit Casaretto bis zum Ende der ersten Erfahrung in Pegli zusammen gelebt (1843). Nach seinem Tod (1888) wurde ein Deutscher, P. Jordan Ballsieper gewählt. Er starb nach zwei Jahren und P. Romarico Flugi d’Aspermont wurde sein Nachfolger.

Die politische Situation jener Zeit machte die ersten Schritte der Kongregation nicht gerade leicht. In Europa waren die antiklerikalen Regierungen gegen jede Art von Ordensleben. Die italienischen Klöster machten Perioden der Aufhebung durch. In Frankreich, wo die Problemlage ähnlich war, schauten die Äbte nach Fluchtorten für ihre Gemeinschaften außerhalb des Landes aus. Doch trotz der kritischen Situation entwickelte sich die Kongregation weiter, - besonders in den Missionsländern: in Bengalen, Neuseeland und auf den Philippinen.

Auf dem Weg zur Reife (1896-1900)

Auf dem Generalkapitel von 1896 wurde mit P. Domenico Serafini ein Mann mit einer außerordentlichen Leitungsbegabung zum Generalabt gewählt. Die Kongregation breitete sich weiter aus und fand einen stärkeren Zusammenhalt. Die Gründung von Abu Gosh (Israel) fällt in diese Zeit (1899), ebenso die Aufnahme der Missionsstation New Norcia (West-Australien), die Msgr. Rodesindo Salvado begonnen hatte. Der neue Generalabt förderte besonders die intellektuelle Ausbildung der jungen Mönche, indem er es unterstützte, dass sie auf das kurz zuvor gegründete internationale Kolleg S. Anselmo geschickt wurden. Die Amtszeit von Generalabt Serafini fand im April 19110 ein unerwartetes Ende, als er zum Bischof von Spoleto ernannt wurde.

Die Blütezeit (1900-1920)

Der Bruder des vorigen Generalabtes, Mauro Serafini, wurde als sein Nachfolger gewählt. Er wurde allgemein als ein Mann großer intellektueller und monastischer Kultur geschätzt. Er war sehr offen für die neue monastische Ausrichtung, die von den Klöstern nördlich der Alpen ausging. In seiner langen Amtszeit erlebte die Kongregation trotz des Klimas der Säkularisierung in der Gesellschaft eine außerordentliche Ausdehnung und eine unerwartete Blüte. Ihm ist es zu verdanken, dass eine neue Mentalität besonders unter den jungen Mönchen Fuß fasste und sich entfaltete. Sein Bruder Domenico schrieb ihm einmal: „Ich sehe, dass diejenigen, die sich in ihren Studien auszeichnen, gute Ordensleute werden, ausgewogen und brauchbar, denn sie verstehen es, sich zu beschäftigen, und können es auch.“ Ein andermal schreibt er: „Obwohl es einige Risiken gibt, die ich nicht verkenne, sehe ich voll Genugtuung, dass zwei weitere Mönche nach S. Anselmo geschickt wurden. Ich würde es begrüßen, wenn solchen jungen Priestern in ihren Ferien die Möglichkeit gegeben würde, verschiedenen Klöstern zu besuchen. Das hilft sehr, den eigenen Horizont zu öfnnen.“ Seine Gedanken über das Mönchtum lassen sich so zusammenfassen: im Rahmen der Regelbeachtung die monastische Lebensweise mit dem Apostolat verbinden.

Unterdessen konnte in Italien das klösterliche Leben wieder aufgenommen werden, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten und mit Vorsicht. Es genügt darauf zu verweisen, dass am 6. November 1900 die Kommunität einen Teil ihres Klosters Praglia wieder erwerben konnte und dass einige Mönche aus Daila (Istrien, südl. Triest, 1900 zu Österreich gehörend, heute Kroatien) sich dort fest niederließen. Die beiden Gründungen in Deutschland fallen ebenfalls in diese Zeit: Kornelimünster 1906 und Siegburg 1914. In den Missionsgebieten registrierte man ein starkes Wachstum, während in Europa die antiklerikale Gesetzgebung noch in Kraft war. 1920 erreichte und überstieg die Zahl der Mönche die 1000-er Grenze.

Es fehlten dabei nicht die schweren Zeiten - zumal im ersten Weltkrieg. Seine Auswirkungen wurden schnell auch in unseren Klöstern deutlich. Teilweise wurden die Mönche - Priester- wie Laien-Mönche - mobilisert. Einige kamen direkt an die Front, andere wurden im Sanitätsdienst eingesetzt.

In die Amtszeit von Generalabt Mauro Serafini fallen auch zahlreiche Dienste, die der Heilige Stuhl von der Kongregation erbat. Das gilt besonders für das Pontifikat von Pius X. (1903-1914) mit seinem dezidierten Widerstand gegen den Modernismus. Eine Reihe von Mönchen wurden zu Bischöfen erhoben oder erhielten andere wichtige Aufgaben wie etwa die Aufgaben eines Apostolischen Visitators oder Delegaten für Ordensgemeinschaften, Diözesen oder Seminare. Das zeigt die Wertschätzung und das Vertrauen des Heiligen Stuhls gegenüber unserer Kongregation.

Die Amtszeit von Generalabt Mauro Serafini endete 1918, als er zum Sekretär der REligiosenkongregation ernannt wurde.

Part 3

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